Suburbane Zeiten, nicht Räume – ein alternativer Blick auf Planet und Satelliten

ID: ID480  

Markus Hesse (Esch-sur-Alzette/LU)


Der Beitrag sieht sich in der Tradition neuerer Suburbia-Forschung und richtet einen differenzierten Blick auf spezifische Zeiten und Zyklen von Suburbia. Dies soll der Vielschichtigkeit des suburbanen Raums gerecht werden und zur Entwicklung zeitlich differenzierter Strategien dienen.

Abstract - Text

Die Forschung zum suburbanen Raum hat sich im internationalen und zunehmend auch im deutschsprachigen Kontext zuletzt dynamisch entwickelt. Dabei standen und stehen drei Ziele im Mittelpunkt: Erstens sollte die Auseinandersetzung mit Suburbia analytisch und normativ unvoreingenommen geführt werden. Dazu wurden, zweitens, die in der Planungspraxis populären pauschalen Dichotomien von Stadt und Rand verworfen, und es wurde ein stärker räumlich differenzierter Blick auf Suburbia gerichtet, u. a. im Zusammenhang der Metropolenräume und Peripherien. Drittens geschieht dies in der Absicht, konkrete Gestaltungsfragen mit Blick auf die Zukunft von Suburbia zu stellen. In dieser Forschung werden zunehmend auch Akteurskonstellationen und -netzwerke betrachtet. Mit dem empirisch gestützten Bild eines sich weiter diversifizierenden Siedlungsraums rücken dabei zunehmend Erklärungsansätze und Konzepte der Resilienzdebatte in den Vordergrund.

Diese Debatte wird indes oft zur Ableitung kausal deterministischer Auffassungen von zeitlichem Wandel genutzt, wie dies die strittige These des lebenszyklischen "Neighbourhood Decline" im nordamerikanischen Diskurs der 1990er Jahre gezeigt hat. Stattdessen setzt sich der vorgeschlagene Beitrag differenziert mit den zeitlichen Dynamiken in der Entstehung und Veränderung von Suburbia auseinander. Diese werden unter Rückgriff auf das Konzept der Lebenszyklen thematisiert. Das geschieht nicht über einen empirischen Zugang zu diesem Thema (auch wenn der Vortrag auf einer empirischen Untersuchung in vier deutschen Großstadtregionen beruht). Es geht vielmehr um die Konzeptualisierung der Idee der zeitlichen Dynamiken in der Entwicklung suburbaner Räume, basierend auf der Identifikation spezifischer Phasen, Stufen und Zyklen.

Dabei wird der Frage nachgegangen, inwiefern in der Entwicklung suburbaner Siedlungsräume generell abgrenzbare Zyklen bestehen und in welchem Zusammenhang sie zu den spezifischen Entwicklungspfaden oder -trajekten einzelner suburbaner Siedlungsbereiche stehen. Inspiriert durch evolutionäre Theorieansätze wird die Rolle von Phasenübergängen im Kontext der Diversifizierung von Suburbia diskutiert, vor allem als offene, nicht-deterministische Ansätze zur Beobachtung und Erklärung suburbanen Wandels. Zwei Fragestellungen sind hier erkenntnisleitend: Zum einen stellt der Beitrag die klassische Sicht auf das 'reife' Suburbia infrage, die u.E. auf der Annahme eines zu starren Musters von Wachstum-Reife-Niedergang basiert. Zum anderen wird die Idee spezifischer Phasen, Stufen und Zyklen daraufhin überprüft, inwiefern sie Anhaltspunkte für ein raum-zeitliches Monitoring suburbaner Entwicklungen bietet, dessen Befunde auch für die Planungspraxis genutzt werden können.