Suburbia im Wandel – URFSURBS in Südkalifornien und Frankreich

ID: ID6  

Olaf Kühne (Tübingen), Florian Weber (Tübingen)


Bisher kaum beleuchtete Urbanisierungs-, Gentrifizierungs- und Hybridisierungsprozesse vollziehen sich in vormals suburbanen Quartieren, untersucht am Beispiel von Südkalifornien und Frankreich, auffällig vergleichbar, die einer genaueren strukturellen Analyse unterzogen werden.

Abstract - Text

Städte unterlagen und unterliegen in Verbindung mit gesellschaftlichen Entwicklungen regelmäßigen Wandlungsprozessen. Im Zuge der Massenmotorisierung kristallisierte sich eine temporäre Präferenz für ein Leben im Suburbium heraus – der Traum vom "Eigenheim im Grünen", ästhetisch-emotional ansprechend, jenseits der hektisch-lärmenden Stadt und gleichzeitig getrennt von "Problemvierteln" wie Großwohnsiedlungen. Seit einigen Jahren erleben Innenstädte eine "Renaissance" und werden als Wohnort erneut attraktiver. Schließlich lässt sich ein weiterer Trend konstatieren, dem bisher recht wenig Beachtung geschenkt wurde: Im "inneren Gürtel" der Suburbanisierung kommt es, wie sich am Beispiel von San Diego und Los Angeles in Südkalifornien, aber auch im Großraum von Paris und Marseille in Frankreich zeigen lässt, zu erstaunlich ähnlich gelagerten Urbanisierungs- und Gentrifizierungsprozessen. Es entstehen "URFSURBS: urbanizing former suburbs". Hiermit gehen Hybridisierungstendenzen einher. Dichotomien brechen auf. Vormals klare Funktionstrennungen werden sukzessive durch Funktionsdurchmischungen, Nutzungsaufgaben, Wiedernutzungen, Neustrukturierungen von Nutzungen, Mindernutzungen etc. abgelöst. Bestehende suburbane Bausubstanz erfährt eine Aufwertung. Gleichzeitig wird sie durch urban anmutende größere Appartementkomplexe ergänzt beziehungsweise bisherige wird beseitigt. Neuer Einzelhandel für urbanophile Bevölkerungsgruppen siedelt sich an (bspw. Bioläden, Boutiquen etc.). Hiermit ergeben sich auch Veränderungen in der Bevölkerungszusammensetzung. Stadtpolitische Einflussnahme, beispielsweise im Osten von Paris, legt die Vermutung nahe, dass planerisch neben dem Ideal sozialer Mischung Bevölkerungsgruppen mit höherem ökonomischem Kapital angelockt werden sollen, um so auch einen Imagewandel zu unterstützen – weg von bisherigen Stereotypen. Von politischer und administrativer Einflussnahme dagegen nur schwach tangiert, deuten sich auch insbesondere in den USA in dem ehemaligen "Mutterland der Suburbanisierung" fundamentale Veränderungen in der stadtlandhybriden Entwicklung an. Das Raumpastiche wird um weitere Komponenten ergänzt, ohne dass bisherige Siedlungsmuster wie auch deren soziale Grundlagen verschwinden. In unserem Beitrag ordnen wir diese Entwicklungen ein, verdeutlichen sie und fokussieren damit auffällige Ausschnitte suburbaner Heterogenitäten.