Gestaltungs- und Qualifizierungsimpulse für Suburbia durch neue Stadt- und Schnellbahnen

ID: ID715  

Axel Priebs (Kiel)


Neue Schienenverbindungen in Suburbia sind wichtige Instrumente zur Gestaltung der Raumstruktur. Sie ermöglichen die Schaffung neuer urbaner Knoten sowie die Qualifizierung der öffentlichen Räume, was an Beispielen aus Deutschland und anderen europäischen Ländern gezeigt wird.

Abstract - Text

Die hohe Bedeutung des motorisierten Individualverkehrs beim Flächenwachstum suburbaner Räume ist hinreichend bekannt. Weniger Aufmerksamkeit haben bislang die raumgestaltenden Effekte des rezenten Paradigmenwechsels hin zum Ausbau und zur Neuanlage von Stadt- und Schnellbahnstrecken in Suburbia gefunden. Tatsächlich eröffnen die "Nachrüstung" beim schienengebundenen Nahverkehr und die damit verbundene Verkehrsverlagerung breite Gestaltungs- und Qualifizierungsmöglichkeiten auf mehreren räumlichen Ebenen.

Auf einer stadtregionalen Ebene ermöglicht die Verschiebung der Aufmerksamkeit vom Ausbau des Straßennetzes hin zur Stärkung der Schieneninfrastruktur neue Akzentuierungen sowohl der Verkehrsangebote als auch der regionalen Siedlungsstruktur. So bietet sich die Chance, neuen funktionalen Verflechtungen und veränderten räumlichen Aktionsmustern der Menschen durch leistungsfähige Schienenverbindungen Rechnung zu tragen, nicht zuletzt den tangentialen in Ergänzung zu den traditionell dominierenden radialen Verkehren. Damit eröffnen sich günstige Standortvoraussetzungen und -qualitäten für Wohnen, Dienstleistungen und Versorgung. Ganz besonders im Schnittpunkt radialer und tangentialer Schienentrassen bieten die neuen Knotenpunkte hohe Entwicklungspotenziale für Versorgungs- und Entwicklungszentren.

Auf der teilregionalen und kommunalen Planungsebene eröffnen Haltestellen des Schienenverkehrs vielfältige Möglichkeiten dezentraler Schwerpunktsetzung durch neue urbane Mitten. Damit besteht die Chance einer nachholenden Qualifizierung und Profilierung suburbaner Siedlungslandschaften, die seit ihrer meist hastigen und zum Teil ungeplanten Entstehung in hohem Maße auf meist unbefriedigende örtliche Versorgungsangebote und weiter entfernte zentrale Standorte angewiesen waren.

Auf der stadträumlichen Ebene eröffnen sich bei neuen Stadt-  und Schnellbahnlinien breite Gestaltungsmöglichkeiten sowohl bei der Integration der Trassen in den öffentlichen Raum als auch bei der Konzeption der Haltestellen und ihres Umfeldes. Gerade in schnell gewachsenen Siedlungsbereichen kann so eine deutliche Qualitätssteigerung öffentlicher Räume erzielt werden.

Diese Aspekte sollen an Beispielen jüngerer stadtregionaler Entwicklungen, aber auch konkreter Planungen aus dem europäischen Raum illustriert werden. Neben Beispielen aus verschiedenen deutschen Regionen werden insbesondere jüngere Entwicklungen in Frankreich, Schweden und Dänemark beleuchtet.