Mut zur Inkonsistenz – von Denkstilen, Jazz und Viskeralität

ID: ID161  

Robert Hafner (Innsbruck/AT)


Methodischer Inkonsistenz hat großes Potential für realitätsnahe Forschung. Basierend auf wissenschafts-epistemologischer Grundüberlegungen und empirischen Erfahrungen wird ein unkonventioneller Zugang zu (human-)geographischer Methodenanwendung vorgestellt.

Abstract - Text

Die (human-)geographische Methodendiskussion im Forschungsalltag zirkuliert meist um die Fragen nach qualitativer vs. quantitativer Herangehensweise, Levels von Repräsentativität oder grundsätzlicher Durchführbarkeit von Methoden. Dabei fallen zwei Elemente aus dem Aufmerksamkeitsraster: Erstens, die wissenschafts-epistemologischen Entscheidungsgrundlagen zur Methodenwahl und zweitens die eigentlichen Erkenntnisziele wissenschaftlichen Arbeitens.

Dieser Beitrag ist als Denkanstoß nicht nur "wider den Methodenzwang", sondern explizit in die Richtung kontextbasierter und "realitätsnaher" Forschungspraxis zu verstehen. Anhand des empirischen Beispiels von Umweltgerechtigkeitsforschung im globalen Süden werden unterschiedliche methodische Frameworks (z.B. aus der klassischen Umweltgereichtigkeitsforschung, adaptierte Grounded Theory Ansätze, etc.) gegenübergestellt und auf ihre Axiome, Aufbau und Design, wie auch unterschiedlichen Ergebnissen näher beleuchtet. Zentral dabei sind reflexive Weiterentwicklungen von Ideen Ludwik Flecks, die explizit auf die Forschungspraxis aufbauen, Denkstile sichtbar macht und oft kritisierte Inkonsistenzen von methodischem Vorgehen nicht nur akzeptiert, sondern als aktive Erkenntniselemente in den Forschungsprozess einbezieht. Dabei lautet die zentrale Frage: Wie kann man einen größtmöglichen Erkenntnisgewinn erzielen, ohne dabei in die kontextuale Beliebigkeit der Anwendung von Methoden abzudriften? Ein Lösungsansatz dafür stellt die von Viskeralität beeinflusster Jazz Methodologie dar, die methodische Improvisationen im Feld nicht nur ermöglichen, sondern auch epistemologisch begründbar machen.