Programmpunkt

17:30–17:45

Titel: MRI Muster bei Patienten in fokalem Status epilepticus: eine retrospektive Studie.
ID: FV 05
Art: Abstractvortrag
Session: Freie Vorträge I

Referent: Francesco Capecchi (Zürich/CH)


Abstract - Text

Fragestellung

Der Status epilepticus (SE) ist ein komplexes neurologisches Erkrankungsbild, welches aufgrund möglicher schwerwiegender Folgeschäden und dem häufig therapierefraktären Verlauf im klinischen Alltag eine relevante Herausforderung darstellt. Die Mechanismen, die zur Propagation und Aufrechthaltung der persistierenden epileptischen Aktivität beitragen, sind zum grossen Teil unklar; Postuliert wird eine pathophysiologische Wechselwirkung von kortikalen mit subkortikalen Strukturen basierend auf einem überaktiven "epileptogenen Netzwerk". Diese Studie zielt darauf ab, anhand akuter MR-tomographischer Veränderungen im Status epilepticus, die involvierten Strukturen zu erkennen, charakteristische MRI-Muster festzustellen und daraus prognostische Faktoren abzuleiten.

Methoden

In einer retrospektiven Datenanalyse haben wir 641 Patienten mit elektrographisch dokumentierten Status epilepticus zwischen den 15.03.2001 und den 31.10.2018 identifiziert. Als fokalen SE haben wir kontinuierliche oder diskontinuierliche epileptische Entladungen über einer klar abgrenzbaren Hirnregion mit anhaltenden fokalem Ausfallsyndrom definiert. Die Diagnose von komplex-fokalem Status epilepticus erfolgte nach den Salzburger Consensus Kriterien. Einschlusskriterien für eine MRI-Untersuchung im Status epilepticus war: (I) ein MRI am selben Tag des elektrographisch dokumentierten SE oder (II) bei klinisch anhaltendem Status epilepticus eine MRI Untersuchung zwischen zwei EEGs, welche beide einen fokalen Status dokumentierten.

Ergebisse

Wir identifizierten 77 Patienten mit Status epilepticus und akuter MRI Bildbebung, welche die Einschlusskriterien erfüllten. MRI und EEG wurden in 50 Fällen am selben Tag durchgeführt. DWI-Hyperintensitäten konnten in 92.2% der Patienten im SE nachgewiesen werden. Neokortikale Veränderungen fanden sich hierbei in 64.9%, hippokampal, mit oder ohne Beteiligung der Amygdala, in 81.8% und thalamische Hyperintensitäten in 55.8% der Patienten. Die Lateralisierung des SE liess sich respektiv in 80%, 71.4% und 79.1% der Fälle korrekt identifizieren und es fand sich eine Übereinstimmung zwischen der Lokalisation der fokalen EEG- und der kortikalen MR-Veränderungen in 96% der Fälle. In 88.4% der Patienten mit thalamischen DWI-Restriktionen war selektiv der dorso-mediale Thalamus betroffen.

Schlussfolgerungen

Akute, reversible DWI-Veränderungen sind häufig im fokalen SE und korrelieren mit der Lokalisation der epileptischen Aktivität auf kortikaler Ebene. Darüber hinaus zeigen die MRI Untersuchungen aber auch eine häufige Mitbeteiligung subkortikaler, insbesondere thalamischer Strukturen, was auf eine Aktivierung ausgedehnter epileptogener Netzwerke hinweist.