Programmpunkt

17:45–18:00

Titel: Antiepileptogene Effekte durch Inhibition der Caseinkinase 2 in vivo vor einem experimentellen Status epilepticus
ID: FV 06
Art: Abstractvortrag
Session: Freie Vorträge I

Referent: Timo Kirschstein (Rostock/DE)


Abstract - Text

Die Pharmakotherapie der Epilepsie basiert aktuell auf der Verwendung antikonvulsiver Substanzen, die den Verlauf der Erkrankung nicht verändern können, also nicht antiepileptogen wirksam sind. In einer früheren Studie konnten wir zeigen, dass die Hemmung der Caseinkinase 2 in vivo mit 4,5,6,7-Tetrabromotriazol (TBB) das Auftreten spontaner epileptiformer Entladungen im akuten Epilepsiemodell verhinderte. In der vorliegenden Arbeit behandelten wir Ratten mit TBB vor der Induktion eines Status epilepticus mit Pilokarpin, um die akuten und langfristigen Effekte der präventiven TBB-Behandlung zu untersuchen. Wir beobachteten, dass die Latenz zum ersten generalisierten Anfall nach Pilokarpin verlängert war, und im Verlauf zeigten die TBB-vorbehandelten epileptischen Tiere weniger Spikes im EEG als die nicht mit TBB vorbehandelten epileptischen Tiere. In vitro zeigte sich in der CA1-Region ein reduzierter Anteil Burst-feuernder Neurone als Hinweis auf eine reduzierte Epileptogenität desTBB-vorbehandelten epileptischen Gewebes. Western-Blot-Analysen der CA1-Region wiesen nach, dass im TBB-vorbehandelten epileptischen Gewebe signifikant weniger Caseinkinase 2 vorhanden war als im TBB-vorbehandelten Kontrollgewebe. Auf der Transkriptionsebene führte die TBB-Vorbehandlung zu differenziellen Genexpressionsveränderungen des Calcium-abhängigen Kaliumkanals KCa2.2, aber auch von Hyperpolarisations-aktivierten Kanälen. Wenn HCN-Kanäle mit ZD7288 blockiert wurden, fand sich eine signifikante Erhöhung des hyperpolarisierenden Nachpotenzials und der Spike-Frequenz-Adaptation im TBB-vorbehandelten epileptischen Gewebe. Beide Phänomene sind typische Funktionen des KCa2-Kanals. Somit zeigen unsere Versuche, dass TBB-Vorbehandlung vor einem Pilokarpin-induzierten Status eilepticus antiepileptogene Effekte aufweist, die wahrscheinlich vor allem auf eine Funktionssteigerung des KCa2-Kanals zurückzuführen sind.