Programmpunkt

16:30–16:36

Titel: Bewertung von Therapieeffekten bei Epilepsie: Eine vergleichende Analyse zwischen Cox-Stuart-Berechnung und Zustandsraum-Modellierung
ID: P 84
Art: Postervortrag
Session: Symptomatische Epilepsien / Status epilepticus / Psyche und Epilepsie

Referent: Sarah von Spiczak (Schwentinental/DE)


Abstract - Text

Hintergrund: Die pharmakologische Behandlung therapie-schwieriger Epilepsien erfolgt häufig individualisiert, geleitet durch die subjektive Beurteilung von individuellen Therapieeffekten. Ziel des Projektes ist daher die Entwicklung objektiver Verfahren zur Beurteilung von Therapieeffekten anhand der Dokumentation von Anfallsfrequenzen und antiepileptischen Medikamenten (AED) im elektronischen Anfallskalender EPI-Vista®. Hier vergleichen wir die Methode der linearen Zustandsraum-Modellierung (state space modelling (SSM)) mit Kalman-Filterung mit der Anwendung des parametrischen Cox-Stuart-Tests und der Beurteilung durch ärztliche Kollegen.

Methoden: Es wurden einzelne pädiatrische Patienten mit strukturell-bedingter Epilepsie ausgewählt, für die umfangreiche Datensätze in EPI-Vista® existieren. In der aktuellen Projektphase werden die Methoden anhand weniger Patientenbeispiele entwickelt und verglichen, im weiteren Verlauf sollen sie an größeren Patientenzahlen überprüft werden. Erste Ergebnisse eines "proof-of-principle" für die Methode des SSM wurden bereits publiziert (Neuropediatrics, 2017:48(Suppl 1), S1–S45; Conf Proc IEEE Eng Med Biol Soc. 2018:187-190) Für die Cox-Stuart-Analyse wurde ein Zeitraum von je 8 Wochen vor und nach Beginn eines neuen AED verwendet, um die Auswirkungen eines bestimmten Medikaments auf die Gesamtzahl der Anfälle und bestimmte Anfallsformen zu vergleichen. Dabei wurden Zeiträume gewählt, in denen die Dosierungen anderer AEDs konstant war. Zusätzlich wurden ärztliche Kollegen mittels eines Fragebogens gebeten, Therapieeffekte anhand von EPI-Vista® Graphiken zu beurteilen.

Ergebnisse: In der Analyse der Patientenverläufe zeigten sich übereinstimmende Ergebnisse zwischen den verschiedenen Analysemethoden und der Expertenmeinung. Im Vergleich der Analysemethoden bestehen Vor- und Nachteile jeder Methode. Vorteil beider mathematischer Methoden gegenüber der Expertenmeinung ist die Objektivität der Analyse. Die Cox-Stuart-Analyse ist robust und zeiteffizient im Hinblick auf die notwendige Rechenleistung, kann aber nur für jeweils ein ausgewähltes Medikament angewendet werden. Mittels linearem SSM können verschiedene Medikamente gleichzeitig betrachtet und verabreichte Dosen und Interaktionen in die Analyse einbezogen werden. Ein relevanter Nachteil ist neben dem Rechenaufwand die geforderte Nicht-Negativität der Daten (hier: anfallsfreie Tage können nicht ausreichend berücksichtigt werden).

Schlussfolgerung: Im Vergleich scheinen beide Methoden der Datenanalyse verlässliche Ergebnisse zu zeigen, hier für einzelne Patienten demonstriert durch die Übereinstimmung mit der Expertenmeinung. Beim Vergleich der Analysen werden Vor- und Nachteile jeder Methode deutlich. Es bleiben bei beiden Methoden offene Fragen, die durch eine Weiterentwicklung insbesondere des SSM mit dem Ziel einer nicht-linearen Analyse beantwortet werden sollen.