Programmpunkt

Titel: Anhaltende Anfallsreduktion bei Patienten mit Dravet-Syndrom unter Fenfluramin HCl: Ergebnisse einer Open-Label Extensionstudie
ID: P 102
Art: Postervortrag
Session: Pharma-Poster

Referent: Milka Pringsheim (Vogtareuth/DE, Salzburg/AT, München/DE)


Abstract - Text

Einleitung: Zwei vor kurzem abgeschlossene klinische Phase-3-Studien haben die überlegene Wirksamkeit von Fenfluramin (FFA) gegenüber Placebo zur Kontrolle konvulsiver Anfälle bei Kindern und jungen Erwachsenen (2-18 Jahre) mit Dravet-Syndrom gezeigt. Wir berichten hier Wirksamkeits- und Verträglichkeitsdaten von FFA aus einer Interimsanalyse einer Langzeit-Open-Label Extensionstudie (OLE).

Methodik: Eingeschlossen wurden Patienten mit Dravet-Syndrom, die eine der beiden Phase-3-Studien beendet hatten. Alle Patienten der OLE begannen FFA in einer Dosierung von 0,2 mg/kg/Tag, unabhängig von der FFA-Dosis, die sie in der vorherigen Studie erhalten hatten. Nach 4 Wochen konnte die Dosis in Schritten von 0,2 mg/kg/Tag bis zu einer Dosis von max. 0,8 mg/kg/Tag bzw. max. 30 mg/Tag (0,5 mg/kg/Tag bzw. max. 20 mg/Tag bei Patienten, die Stiripentol einnahmen) auftitriert werden. Wirksamkeit und Verträglichkeit wurden initial monatlich und nach 3 Monaten vierteljährlich erfasst.

Ergebnisse: 232 Patienten wurden bis März 2018 in die Studie eingeschlossen. Das mittlere Alter lag bei 9,1 (±4,7) Jahren, 128 (55,2%) waren männlich. 22 (9,5%) Patienten beendeten die Studie wegen mangelnder Wirksamkeit (16), aus eigener Patientenentscheidung (2), Nebenwirkungen (1), Tod (1 SUDEP), aus ärztlicher Entscheidung (1) sowie Entscheidung der Bezugsperson (1). Die Behandlungsdauer mit FFA lag im Median bei 256 (58-634) Tagen. Die Häufigkeit konvulsiver Anfälle konnte im Open-Label-Extension-Zeitraum gegenüber dem Ausgangswert zu Beginn der Phase-3-Studie um 66,8% reduziert werden. Eine klinisch relevante (≥50%) Reduktion konvulsiver Anfälle zeigte sich ab der ersten Studienvisite der OLE (Monat 1) und hielt über den Verlauf an. 64,4% der Patienten zeigten über den Beobachtungszeitraum eine 50%ige und 41,2% der Patienten eine 75%ige Reduktion konvulsiver Anfälle. Nach 12 Monaten bewerteten 70,4% der Bezugspersonen und 77,8% der Prüfärzte den Gesamtzustand der Patienten als "deutlich verbessert" oder "sehr deutlich verbessert". FFA wurde insgesamt gut vertragen. Hinweise für Herzklappenveränderungen oder eine pulmonale Hypertonie wurden weder echokardiographisch noch klinisch beobachtet.

Schlussfolgerung: Diese Interimsanalyse einer Langzeit-OLE-Studie zeigte, dass FFA bei Patienten mit Dravet-Syndrom eine klinisch relevante und substantielle Reduktion konvulsiver Anfälle mit guter Verträglichkeit über längere Zeiträume erzielen kann. Fenfluramin stellt somit eine neue, hoch-effektive antiepileptische Therapieoption für diese Patienten dar.