Programmpunkt

10:00–10:15

Titel: Epileptische Anfälle bei Multipler Sklerose (MS) in einem tertiären MS-Zentrum
ID: FV 25
Art: Abstractvortrag
Session: Freie Vorträge V

Referent: Lisa Langenbruch (Münster/DE)


Abstract - Text

  1. Einleitung

Epileptische Anfälle und Epilepsie sind eine relevante Komorbidität bei Menschen mit Multipler Sklerose (MS). Trotzdem sind die genaue Häufigkeit und Prognose von Anfällen bei MS-Patienten bisher nicht abschließend geklärt.

  1. Material/Methoden

Wir untersuchten retrospektiv eine Kohorte von 4078 MS-Patienten an einem tertiären MS-Zentrum. Alle Patienten mit mindestens einem epileptischen Anfall wurden identifiziert.

  1. Ergebnisse

2,2% unserer Kohorte erlitten mindestens einen Anfall. Nach Ausschluss von Patienten mit alternativer Anfallsätiologie resultierten 1,5% mit mindestens einem Anfall und 0,9% mit einer Epilepsie ohne konkurrierende Ätiologie zur MS. Nach einem ersten Anfall war das Auftreten eines Anfallsrezidivs signifikant abhängig vom MS-Subtyp und häufiger bei Assoziation des ersten Anfalls mit einem MS-Schub. 9,7% der MS-Patienten mit mindestens einem Anfall erlitten einen Status epilepticus. Eine Epilepsie bei MS-Patienten war in 39% therapierefraktär.

  1. Diskussion

Unsere Studie zeigt ein im Vergleich zur Literatur selteneres Auftreten von epileptischen Anfällen bei Menschen mit MS. Die Prognose eines einzelnen Anfalls ist häufig gut. Im Falle einer Assoziation mit einem MS-Schub und nach Anfallsrezidiven ist der Krankheitsverlauf aber nicht allgemein benigne, so dass eine adäquate epileptologische Beratung und Therapie erforderlich sind.