Programmpunkt

17:10–17:15

Titel: Neurokognitive Auffälligkeiten bei Patienten mit Insomnie: ein potenzieller Marker für Demenzrisiko?
ID: P22
Art: ePoster
Redezeit: 1 + 4 min
Session: ePoster Diskussion 2
Neurologische Schlafmedizin

Referent: Erika C. S. Künstler (Jena/DE)


Abstract - Text

Fragestellung

Die chronische psychophysiologische Insomnie gilt als Risikofaktor für die Entwicklung neurodegenerativer Erkrankungen im höheren Lebensalter. In Anbetracht der über Dekaden reichenden Erkrankungsdauer ist eine frühzeitige Identifizierung von Insomnie Patienten mit erhöhtem neurodegenerativen Risiko unerlässlich. Es wurde deshalb untersucht, ob kognitive Defizite bereits bei Patienten mit chronische psychophysiologische Insomnie im mittleren Lebensalter mittels eines einfachen Kognitiven Screening-Tool detektierbar sind und wie diese mit der Schlafarchitektur zusammenhängen.

Patienten und Methoden

Die Studie umfasste 22 chronische Insomnie Patienten mittleren Alters sowie 22 altersgleiche Kontrollen. Neurokognitive Leistungsfähigkeit (MoCA; Montreal Cognitive Assessment) sowie subjektive Schlafqualitätsdaten (PSQI: Pittsburgh Sleep Quality Index und ISI: Insomnia Severity Index) wurden von allen Teilnehmern erhoben. Die Objektive Schlafqualität wurde zusätzlich polysomnographisch in der Patientengruppe dokumentiert.

Schlussfolgerungen

Bei Patienten mit chronisch psychophysiologischer Insomnie sind bereits im mittleren Lebensalter neurokognitive Defizite mittels einfacher neurokognitiver Screeningtests nachweisbar. Die Defizite sind mit dem subjektiven und objektiven Schweregrad der Insomnie assoziiert.


Spezifische Charakteristika der neurokognitiven Einschränkungen, wie ein vermindertes Abstraktionsvermögen, ein präklinisches Kernsymptom der Alzheimer-Demenz, könnte bei diesen Patienten ein Indiz für beginnende neurodegenerative Prozesse darstellen und unterstreicht die Notwendigkeit einer frühzeitigen Behandlung der Insomnie.

Ergebnisse

Die Patientengruppe zeigte eine verschlechterte generelle kognitive Leistung (MoCA total score, p=.01), mit spezifischen neurokognitiven Defiziten in visuospatial/exekutiv-Funktionen (p=.01) und Abstraktion (p=.02) im Vergleich zu den Kontrollprobanden. Bei den Patienten war eine schlechtere kognitive Leistung (MoCA total score) mit subjektiv reduzierter Schlafqualität (PSQI; r=-.38, p=.01) und Schweregrad der Insomnie (ISI r=-.38, p=.01) sowie mit der polysomnographisch-objektivierten Schlafqualität (Schlaflatenz [r =-.53, p=.01] und Wachzeit [r =-.58, p=>.01]) korreliert. Hinsichtlich der spezifischen neurokognitiven Defiziten zeigte sich ein Zusammenhang zwischen verminderten visuelle/exekutive Leistungen und subjektiven Schweregrad der Insomnie Symptome (ISI, r=-.32, p=.01), während die Defizite in dem Abstraktionsvermögen mit reduzierter subjektiver Schlafqualität (PSQI r=-.34, p=.03, und ISI, r =-.40, p=>.01) und objektiver Schlafeffizienz assoziiert waren (r =.61, p=>.01).