Programmpunkt

18:56–19:03

Titel: Zur Indikationsstellung von Rückenlageverhinderung und Unterkieferprotrusionsschiene: Retrospektive Sicht eines Klinikers
ID: KV22
Art: Kurzvortrag
Redezeit: 4 + 3 min
Session: Kurzvorträge 2
Therapie und Grundlagen der SBAS

Referent: Martin Wagner (Freiburg im Breisgau/DE)


Abstract - Text

Fragestellung

Die obstruktive Schlafapnoe (OSA) ist eine Unterform der Schlafbezogenen Atmungsstörung (SBAS), welche mit einem deutlich erhöhten kardiovaskulären Risiko sowie einer eingeschränkten Lebensqualität einhergehen kann. Therapeutischer Goldstandard ist die CPAP-Versorgung. Gleichwohl bedarf es auch evidenzbasierter Ergebnisse alternativer Maßnahmen.


Ziel der vorliegenden Arbeit war die retrospektive Untersuchung der routinemäßigen Indikationsstellung zur apparativen Therapie mittels Rückenlageverhinderung (RLV) oder Unterkieferprotrusionsschiene (UKPS) aus dem Blickwinkel des Klinikers.

Patienten und Methoden

Im Rahmen einer retrospektiven Studie, wurden die Daten aller 496 Patienten, welche sich in den Jahren 2018, 2019 und 2020 im Schlaflabor der HNO des Universitätsklinikums Freiburg vorgestellt hatten, auf eine Versorgung mit RLV bzw. UKPS überprüft.


Hierfür erfolgte eine Textsuche innerhalb aller Arztbriefe der HNO-Klinik im betreffenden Zeitraum mit den Suchbegriffen "Protrusionsschiene" / "UKPS" mit 94 relevanten Patienten und "Rückenlageverhinderung" / "RLV" mit 89 relevanten Patienten. Die erhobenen Daten wurden statistisch ausgewertet.

Schlussfolgerungen

Trotz zunehmender Empfehlung an die Patienten blieb die Versorgung mit einer UKPS weit hinter der Versorgung mit RLV zurück. Eine plausible Ursache kann im organisatorisch höherschwelligen Angebot der UKPS nebst berufspolitischen Rahmenbedingungen zu suchen sein. Auch mit Bezug zur RLV-Versorgung können evidenz- und/oder ausbildungsbasierte Gründe eine Rolle spielen. Die retrospektive Erhebung erlaubt hier einen unvoreingenommenen Blick auf die Entscheidungsprozesse sowohl von Patienten- als auch von Therapeutenseite.

Ergebnisse

Im Vergleich wurden RLV und UKPS im Zeitraum von 2018 bis 2020 gleich häufig empfohlen. Betrachtet man den zeitlichen Verlauf zeigt sich jedoch ein Rückgang der Empfehlung für RLV und eine Zunahme der Empfehlung für eine UKPS. 


Deutliche Diskrepanzen bestehen auch in der tatsächlich durchgeführten Versorgung. So wurden im Zeitraum 2018 bis 2020 fünfmal mehr Patienten mit einer RLV als mit einer UKPS versorgt.