Programmpunkt

13:45–13:55

Titel: Morbus Osgood-Schlatter im Nachwuchsleistungszentrum einer Fußball-Bundesligamannschaft: Eine retrospektive Datenanalyse
ID: KV 101
Art: Kurzvortrag
Redezeit: 7 + 3 min
Session: Kurzvorträge – Sport

Referent: Frédéric Abel (Mainz)


Abstract - Text

Hintergrund

Der Morbus Osgood-Schlatter ist eine der häufigsten Erkrankungen im Wachstumsalter und tritt etwa 10-mal häufiger bei männlichen Sportlern auf. Die Ätiologie ist nicht gänzlich geklärt. Ursächlich scheint unter anderem eine wiederholte Kontraktur der M. Quadrizeps-Sehne mit rezidivierendem Zug an der Tuberositas tibiae zu sein, wodurch es zu einer Apophysitis kommt.

Die Therapie beinhaltet in der Regel eine Sportpause mit Schonung des betroffenen Beines. Physiotherapie und Dehnübungen der Muskulatur werden zunehmend empfohlen, jedoch existieren wenige Belege in der Literatur für die Wirksamkeit dieser Maßnahmen im Vergleich zur Sportpause.

 

Methoden

Im Rahmen dieser Studie wurden die über einen Zeitraum von 2005 bis 2018 erfassten Verletzungsdaten von männlichen Nachwuchsspielern eines Fußball-Nachwuchsleistungszentrums der Altersklassen U11 bis U16 retrospektiv ausgewertet. Insgesamt wurden die Daten von 683 Spielern in die Studie eingeschlossen. Die Diagnosestellung und die Verlaufskontrollen erfolgten in ein- bis dreiwöchigen Abständen in einer Arztsprechstunde am Nachwuchsleistungszentrum.

 

Ergebnisse

Von den untersuchten 683 Sportlern waren 44 Spieler (mittleres Alter 12,3 ± 1,4 Jahre) von einem M.  Osgood-Schlatter betroffen.  Bei 40 Spielern traten einseitig, bei 4 Spielern beidseitig Beschwerden auf.

In unserer Studie zeigte sich eine Korrelation zwischen der Zeit bis zum Return-to-Play (RTP) und einem ein- bzw. beidseitigen Auftreten des M. Osgood-Schlatters. So fielen Spieler mit einseitigen Beschwerden grenzwertig signifikant kürzer aus (n=40, Tage MW±SD: 54.2 ± 37.9)im Vergleich zu beidseitigem Auftreten (n=4 , Tage MW±SD: 101±50.6;p=0,055).

Einen Zusammenhang zwischen dem Alter bei Erstmanifestation und dem RTP konnten wir nicht nachweisen (p=0,59). Es zeigte sich kein signifikanter Unterschied in der Ausfallzeit zwischen den Spielern, die mit einer Sportpause (n=36, Tage MW±SD: 62,1±43,3) und den Spielern, die mit allgemeiner Physiotherapie (n=8, Tage MW±SD: 41,9 ±21,9 ; p=0,35) behandelt wurden.

Diskussion

Zusammenfassend kann man sagen, dass das beidseitige Auftreten des M. Osgood-Schlatter eine deutlich verlängerte Ausfallzeit nach sich zieht. Interessanterweise konnte in unserem Patientenkollektiv die Zeit bis zum Return-to-Play durch physiotherapeutische Behandlungen im Vergleich zur Sportpause nicht signifikant beeinflusst werden.