Programmpunkt

10:31–10:39

Titel: Re-Re-Kniearthrodese mit zementfreiem Nagel und sonderangefertigten metaphysären Cones – ein Case Report  
ID: KV 20
Art: Kurzvortrag
Redezeit: 6 + 2 min
Session: Kurzvorträge – Endoprothetik Knie

Referent: Lutz Forke (Arnstadt)


Abstract - Text

Fragestellung:

Gibt es eine technische Lösung zur Reduktion der Gefahr einer interprothetischen Fraktur?

Methoden (Falldarstellung):

August 2012 Behandlungsübernahme eines 64-jährigen Pat. mit gelockerter Rotationsknieendoprothese rechts, die im Rahmen einer Wechseloperation auswärts implantiert wurde. Zusätzlich ausgeprägte Patellalateralisation. Nach arthroskopischer Infektdiagnostik mit Ausschluss eines Infektes der einliegenden Rotationsknieendoprothese in Hybridtechnik mit zementfreien Schäften erfolgte November 2012 der Wechsel auf eine zementierte gekoppelte Rotationsknieendoprothese mit entsprechenden Augmenten zum Defektaufbau inkl. der Implantation einer Tantalpatella.

Januar 2013 Lockerung der Prothese und April 2013 Wechsel auf eine erneute zementierte Rotationsknieendoprothese mit längeren Schäften und höheren Augmenten. September 2013 Diagnose eines periprothetischen Infektes des rechten Kniegelenkes und Explantation der Prothese inkl. Entfernung der Tantalpatella und Implantation eines starren Spacers.

Nach Infektsanierung erfolgte im November 2013 die Implantation eines zementfreien Arthrodesennagels mit verriegelten Schäften. April 2014 wurde die Auswanderung des femoralen Schaftes mit Dislokation eines Verriegelungsbolzens diagnostiziert. Bei gleichzeitig einliegender zementfreier Hüfttotalendoprothese bestand die Gefahr einer interprothetischen Fraktur, sodass ein Wechsel auf einen zementierten Arthrodesennagel erfolgte.

November 2016 auch hier Lockerung des zementierten Arthrodesennagels. Aufgrund der bis dahin 3-mal fehlgeschlagenen Zementierung Indikationsstellung zur Verwendung eines zementfreien Arthrodesennagels mit individuell gefertigten Cones, welche nach entsprechender Planung über ein Dünnschicht-CT hergestellt wurden. Die Indikation zu dieser Sonderanfertigung wurde gestellt, da alle anderen auf dem Markt befindlichen zementfreien Nägel sich lediglich diaphysär verankern und es bei Größe (1,86 m) und Gewicht (120 kg) des Patienten möglicherweise an der femoralen Schaftspitze zu Schwingungen kommen könnte mit Gefahr der interprothetischen Fraktur.

Ergebnisse:

Die Implantation erfolgte dann Ende November 2016. Im unmittelbaren Verlauf kam es zu einer raschen Schmerzreduktion, primärer voller Belastbarkeit und primärer Wundheilung, ohne jegliche im vorherigen Verlauf typische Ergussbildung mit einem zufriedenen Patienten.

Schlussfolgerungen:

Individuelle Cones führen zur Optimierung der Rekonstruktion von metaphysären Knochendefekten, damit kann ein besseres Pressfit, eine bessere Rotationsstabilität und somit eine bessere Primärstabilität erreicht werden. Aufgrund der damit möglichen Vergrößerung der Kontaktfläche zwischen hochporöser Struktur und Knochen resultiert ein besseres Einwachsverhalten des Knochens und somit eine bessere Sekundärstabilität. Durch die optimierte 3-Punkt-Verankerung durch Cone und Schaftspitze resultieren weniger Schwingungen im System mit Reduktion der Gefahr einer interprothetischen Fraktur.